+ Donnerstag, März 27, 2008

leitourgia

die osterfeiertage habe ich gemeinsam mit einigen anderen freaks bei den mönchen im wunderschönen kloster Heiligenkreuz verbracht. der schwerpunkt im gemeinsamen leben liegt, wie in anderen klöstern auch, auf den gemeinsamen stundengebeten. das sind im grunde lange psalmgebete, ergänzt durch kurze antwortgesänge, gebete und lesungen.

die ganze angelegenheit ist hoch liturgisch, das heißt, jedes wort, jedes detail ist genau vorgegeben und wiederholt sich regelmäßig. hier und in den großen gottesdienstes zu Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag hat jede bewegung, jede melodie, jede haltung, ja jede farbe und jeder lichtstrahl durch die fenster eine tiefe bedeutung. für mich spricht daraus eine große hochachtung vor formen, der materialität und damit auch vor der sinnlichen wahrnehmung der menschen. eine sache, die mir im prinzip sehr sympathisch ist.

das ganze, und da ist Heligenkreuz eine ausnahme auch unter den klöstern, spielt sich fast ausschließlich auf latein ab. nun habe ich ja mal vor langer zeit latein gelernt, aber bei weitem nicht genug, um jedem wort folgen und es zu meinem eigenen machen zu können. so war das gebet der mönche über weiten strecken ein beruhigender rahmen für mein eigenes gebet, in guten momenten aber auch tatsächlich identisch mit meinem eigenen gebet.

die brüder, mit denen ich gesprochen habe, wissen sehr gut, dass es ihr eigener glaube, ihr eigenes vor Jesus kommen ist, das diesen formen inhalt verleiht. ein gedanke, der uns eher fremd ist, die wir es gewohnt sind, formelle festlegung mit erstarrung und unauthentizität zu verbinden. und aber dennoch von dem sinnlichen erlebnis angezogen werden. wie kann es uns gelingen, diese faszination mit dem wunsch nach authentischem glauben zu verbinden? ich jedenfalls hege diesen wunsch.

ich glaube, ein schlüssel dafür ist unsere position zu den vorgebenen formen, eine standpunktfrage, die sich eigentlich bei jeder beschäftigung mit (geistlichen) traditionen stellt. sind wir darunter eingeschlossen wie unter einer käseglocke? da setzt sie uns letztendlich grenzen und den horizont, in dem wir uns bewegen können. oder ist sie uns ein gegenüber, mit dem wir in kommunikation treten? dann stellt sie unsere antworten in frage und lenkt unseren blick auf neues, ist aber auch offen für unsere fragen, sei es um antworten zu geben oder sich diesen gerade zu verweigern. dann wählen wir die perspektive und entlocken ihr vielleicht grade neue antworten, die uns so noch nicht gegeben wurden.

dann können wir sie dekonstruieren, zerlegen und einzelne fragmente auf ungewohnte art auf unseren glauben beziehen. dann gewinnt sie gerade durch diese akt der kommunikation und der betrachtung, zumindest potentiell, ungeahnte bedeutung für uns. wenn die liturgie, was ich glaube, zum gespräch des inkarnierten mit den menschen gehört, dann kann sie als gegenüber auch zu unserem gespräch mit Jesus gehören. und nur dann kann sie vom vollzug des vorgegebenen zu einem vollzug unseres glaubens im gegebenen werden.

1 Comments:

Blogger Martin.D[x]D.nitraM said...

Wann schreibt denn der Onkel Henni mal wieder was? Verdammt lang her, dich zu lesen...

11:10

 

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